Nur ein neuer Recherchetrend oder gar die Wiedergeburt des Journalismus von unten? Datenjournalisten bringen Licht ins weltweite Informationsdickicht und gewinnen
durch ihre transparente und partizipative Arbeitsweise das Vertrauen des Leser zurück.
durch ihre transparente und partizipative Arbeitsweise das Vertrauen des Leser zurück.
Ein neues Berufsbild entsteht.
// Die ersten zivilen Kriegsreporter traten mit der zunehmenden Verbreitung von Tageszeitungen vor ungefähr 200 Jahren in Erscheinung. Schon damals erkannten die Verlage, wie gut sich der Krieg verkauft. Heute haben wir das Internet, immer noch Kriege und außerdem eine Quellenlage, von der William Howard Russell –
er gilt als der erste Kriegsreporter und schrieb damals für die »London Times« – nie zu träumen gewagt hätte. WikiLeaks, VroniPlag: Diese berüchtigten Datenquellen stehen jedem offen – zumindest theoretisch, denn verständlich aufbereitet sind sie mitnichten.
Hier kommen die Datenjournalisten ins Spiel, ein Berufszweig, der sich dank des »neuen« Mediums immer mehr etabliert. Sie nehmen sich – bisweilen gemeinsam mit den Lesern – der kryptischen Datenbanken an und verknüpfen und analysieren die darin enthaltenen Informationen mithilfe von Datenverarbeitungsprogrammen wie beispielsweise Excel. Im Tagesgeschäft recharchieren sie Daten oder schürfen sie mittels Code (wie Pearl, Python oder Ruby) aus dem Netz – im Fachjargon als im Web Scraping bezeichnet – und erstellen eigenen Datensätze. Anschließend überprüfen sie diese, wandeln sie gegebenfalls um (»parsen« genannt), bereinigen sie und bereiten die Daten dann auf. Zumeist geschieht das in Form von Visualisierungen, denn bei den riesigen Datenmengen lassen sich Zusammenhänge sprachlich oft nicht mehr verständlich ausdrücken.
Der Begriff Datenjournalismus beziehungsweise Data-Driven Journalism erstmals 2009 mit dem Datablog des britischen »Guardian« auf (www.guardian.co.uk/news/datablog). Hingegen ist die Lehre von der computergestützten Recherche schon einige Jahre älter. Der Journalist Lars-Marten Nagel studierte bereits 2005 und 2006 an der Missouri School of Journalism, wie man mithilfe von Computern und Software Datensätze analysiert und darin Storys entdeckt (http://journalsim.missouri.edu). Er selbst mag sich nicht als Datenjournalsit bezeichnen, obwohl er zu den Vorreitern der Zunft in Deutschland gehört. Bei der dpa Deutsche Presse-Agentur beteiligte er sich zwischen 2007 und 2010 am Aufbau der ersten deutschen Computer Assisted-Reporting (CAR)-Redaktion. Diese untersucht in dem Projekt dpa RegioData bundesweite Entwicklungen auf Basis von Statistischen Daten, bricht die Ergebnisse dann auf Regionen runter und bereitet sie im Anschluss zu Infografiken auf.
// Die ersten zivilen Kriegsreporter traten mit der zunehmenden Verbreitung von Tageszeitungen vor ungefähr 200 Jahren in Erscheinung. Schon damals erkannten die Verlage, wie gut sich der Krieg verkauft. Heute haben wir das Internet, immer noch Kriege und außerdem eine Quellenlage, von der William Howard Russell –
er gilt als der erste Kriegsreporter und schrieb damals für die »London Times« – nie zu träumen gewagt hätte. WikiLeaks, VroniPlag: Diese berüchtigten Datenquellen stehen jedem offen – zumindest theoretisch, denn verständlich aufbereitet sind sie mitnichten.
Hier kommen die Datenjournalisten ins Spiel, ein Berufszweig, der sich dank des »neuen« Mediums immer mehr etabliert. Sie nehmen sich – bisweilen gemeinsam mit den Lesern – der kryptischen Datenbanken an und verknüpfen und analysieren die darin enthaltenen Informationen mithilfe von Datenverarbeitungsprogrammen wie beispielsweise Excel. Im Tagesgeschäft recharchieren sie Daten oder schürfen sie mittels Code (wie Pearl, Python oder Ruby) aus dem Netz – im Fachjargon als im Web Scraping bezeichnet – und erstellen eigenen Datensätze. Anschließend überprüfen sie diese, wandeln sie gegebenfalls um (»parsen« genannt), bereinigen sie und bereiten die Daten dann auf. Zumeist geschieht das in Form von Visualisierungen, denn bei den riesigen Datenmengen lassen sich Zusammenhänge sprachlich oft nicht mehr verständlich ausdrücken.
Der Begriff Datenjournalismus beziehungsweise Data-Driven Journalism erstmals 2009 mit dem Datablog des britischen »Guardian« auf (www.guardian.co.uk/news/datablog). Hingegen ist die Lehre von der computergestützten Recherche schon einige Jahre älter. Der Journalist Lars-Marten Nagel studierte bereits 2005 und 2006 an der Missouri School of Journalism, wie man mithilfe von Computern und Software Datensätze analysiert und darin Storys entdeckt (http://journalsim.missouri.edu). Er selbst mag sich nicht als Datenjournalsit bezeichnen, obwohl er zu den Vorreitern der Zunft in Deutschland gehört. Bei der dpa Deutsche Presse-Agentur beteiligte er sich zwischen 2007 und 2010 am Aufbau der ersten deutschen Computer Assisted-Reporting (CAR)-Redaktion. Diese untersucht in dem Projekt dpa RegioData bundesweite Entwicklungen auf Basis von Statistischen Daten, bricht die Ergebnisse dann auf Regionen runter und bereitet sie im Anschluss zu Infografiken auf.
Zahlenjongleur trifft rasenden Reporter trifft Infografiker: Open Data und neue Visualisierungstechniken machen es möglich: Der Journalismus erfindet sich neu und kreiert ein informatives, detailversessenes, transparentes Subgenre.
Quelle: Weave 5.11 // LIFE // Datenjournalismus
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen